Zivile Gesellschafts-Solidarität beim ATIB-Iftar
Nach zwei Jahren Coronaverbot fand in Köln der traditionelle ATIB-Iftar wieder statt – diesmal mit hunderten von Gästen. Unter den Eingeladenen waren vorwiegend Mitglieder der ATIB-Gemeinschaft aus europäischen Ländern wie Deutschland und Belgien, aber auch Vertreter verschiedener Organisationen.
Das Programm begann vor dem Iftar mit einem tasawwufistischen Musikensemble und dem türkischen Volksmusikkünstler Ahmet Baydaroğlu, gefolgt von einer Darbietung der Kinder-Semazen-Gruppe der ATIB-Zentralmoschee.
Vertreter zivilgesellschaftlicher Organisationen nahmen teil, darunter DITIB-Präsident Kazım Türkmen, UID-Präsident Köksal Kuş, MÜSİAD-Europa-Präsident Bahattin Yılmaz, Ali Kızılkaya als Vertreter von IGMG (Milli Görüş), Muhlis Şahin für die VIKZ – Islamische Kulturzentren-Vereinigung, Haydar Siliseri, Präsident der Avrasya-Alevi-Vereinigungen, sowie Delegierte des ZMD (Zentralrat der Muslime in Deutschland) und des KRM (Koordinationsrat der Muslime in Deutschland) und weitere Berufsvertreter. Zudem nahmen ATIB-Gründungspräsident M. Serdar Çelebi, der türkische Ehrenkonsul in Aachen Dr. Uwe Merklein und der türkische Generalkonsul in Köln Turhan Kaya am Programm teil.
In seiner Eröffnungsrede begrüßte ATIB-Präsident Durmuş Yıldırım die Gäste, hob die Bedeutung des Ramadan hervor und widmete sowohl den Belangen europäischer Türken/Muslime als auch weltweiten Entwicklungen großen Raum. Er bestimmte den diesjährigen Ramadan-Slogan: „Fasten ist Bewusstseinsstärkung des Glaubens und menschliche Solidarität.“ Zudem betonte er, dass es eine besondere Schönheit des Ramadan sei, auch Nicht-Muslime und Angehörige anderer Religionen gelegentlich an den Iftar-Tafeln willkommen zu heißen und so den bestehenden Dialog zu vertiefen.
Im weiteren Verlauf seiner Rede machte Yıldırım auf den Russland-Ukraine-Krieg aufmerksam: „Der nach dem Zweiten Weltkrieg in Kontinentaleuropa ausgebrochene Russland-Ukraine-Krieg dauert leider in all seiner Abscheulichkeit an. Diese angeblich zivilisierten, hoch technologisierten Nationen haben Waffen entwickelt, die einzig dazu dienen, Menschen zu töten und alles Lebendige zu vernichten – und sie sind stolz darauf. Diese Waffen fordern gestern im Irak, in Afghanistan und Syrien, heute in der Ukraine und in vielen Teilen der Welt Menschenleben, sie bringen den Tod. Es scheint, als ob das Zeitalter der Unwissenheit, in dem man jenen kein Lebensrecht zugesteht, wieder aufkeimt – während die Mächtigen die Schwachen unterdrücken, deren elementares Lebensrecht verletzen, Länder besetzen und plündern, und dennoch bleibt das Gewissen der Menschheit taub. Auch wenn manche angesichts der Macht schweigen oder sich der Starken zuwenden, so werden wir als Menschen mit Gewissen stets an der Seite des Gerechten stehen. Während einige Menschen andere nach Hautfarbe, Kultur oder Rasse kategorisieren, bleibt die über Jahrhunderte wirkende Botschaft unseres Gesandten unser Leitspruch: ‚Wir sind alle Kinder Adams, und Adam wurde aus Erde erschaffen.‘ Und wie es der Prophet des Islams lehrte: Es gibt weder Überlegenheit des Schwarzen über das Weiße noch des Weißen über das Schwarze, ebenso wenig wie des Arabers über den Nicht-Araber – Überlegenheit gilt allein dem Gottesfürchtigen.“
In einem weiteren Abschnitt beklagte Yıldırım die Behandlung der Muslime in Deutschland: „Als europäische Türken und Muslime ist das Erleben des Ramadan in unserer zweiten Heimat ganz anders als im Ursprungsland… Obwohl wir das 60-jährige Jubiläum unserer Auswanderung nach Deutschland hinter uns gelassen haben, werden wir Muslime immer noch wie Stiefkinder behandelt. Dass uns nicht der Status einer ‚religiösen Gemeinschaft‘ zuerkannt wird, wie es anderen Religionen zuteilwird, passt nicht zu einem multikulturellen Deutschland. So wie man einen Feiertag an einem Arbeitstag feiert, werden wir auch das Ramadanfest gebührend feiern.“
Anschließend bekräftigten der türkische Generalkonsul in Köln Turhan Kaya, DITIB-Präsident Kazım Türkmen und ATIB-Gründungspräsident Musa Serdar Çelebi in ihren Begrüßungsreden die Solidarität, indem sie sich auf Yıldırims Worte beriefen.
Nach dem Iftar folgte ein Auftritt von Ozan Musutafa Turgut, bei dem die Gäste im Saal freudig in die gesungenen Märsche und Volkslieder einstimmten.